Was

Der  Konflikt zwischen Natur und Kultur steht bis 2017 im Zentrum meiner Arbeit.  Hatte Freud noch vom “Unbehagen in der Kultur” geschrieben, weil wir  als Kulturmenschen   unter Erziehung und  Triebverzicht leiden, so leidet der Kulturmensch der Jetztzeit  zusätzlich an der wachsenden Künstlichkeit der ihn umgebenden, von ihm selber  geschaffenen Welt. Das “Unbehagen in der Kultur” hat sich dank technischen Fortschritts und allgemeiner menschlicher Regression rasant vervielfacht.  Maschinelles Als-ob-Leben konfrontiere ich daher über viele Jahre mit echtem Leben aus  Botanik, Zoologie und menschlicher Anatomie, sosehr der Anblick auch schmerzt. Immer wieder fallen mir auch Gefängnisse, Käfige, maschinelle Gewalt als Anliegen für meine Zeichnungen ein. Patente aus dem Industriezeitalter, dem Anfang des impacts von Technologie auf das Lebendige, dienen mir dabei  als Inspiration. Realisiert wird das alles vor allem mit Tuschepinsel, Tuschefeder und Tuschestift

 

 

Nach Jahren strikter Beschränkung auf Schwarz-Weiss und meine Tuschefeder, riskiere ich 2017 erstmals  das Abenteuer Farbe. Zunehmend  entstehen am PC im Photoshop digital gestaltete Bilder. Auch mit Versuchen in asiatischem Holzschnitt im Anschluss an eine Japanreise gestalte ich meine neueste Obsession im Hinblick auf die moderne Art von Naturschönheit:Vom Menschen fleissig geschaffene, nicht endende Waldbrände; smogverseuchte Megacities; grössenwahnsinnige Türme zu Babel; Orkane, die alles vom Menschen Geschaffene mit Eisenfaust wieder zertrümmern. Dann aber hab ich das alles endgültig satt, die Farbe rettet mich auch nicht. Nach Jahren des Anprangerns in meinen Zeichnungen und Bildern ereilt mich – Farben hin oder her- zunehmend ein gewaltiger Ueberdruss bei der Gestaltung wie auch immer gearteter Katastrophen. Das macht mich alles nur noch depressiv. Aendern tut sich dadurch eh nix.

2018 geh ich auf grosse Reise, hin zu den Urlandschaften, die alles Menschliche so erfrischend downsizen. Sei dies die bis 50 Grad heiss werdende Wüste im Süden des Iran, sei dies der “Wild Atlantic Way” über den 100 Meter hohen, wild zerklüfteten Klippen von Kilkee in Westirland, an die der Atlantik seit endlos langer Zeit schon donnert, wie wenn es Menschliches und menschliche Erfindungen überhaupt nie gegeben hätte. Diese archaische power der Natur löst meinen Knoten. Eine Schulung in der “Forschungsgesellschaft für Entwurfsgestaltung” (www.virtualvalley.ch)  in einem wunderschönen Kloster in Senones(FR) bringt mir das Zeichnen und Malen mit digitalen Tuschepinseln bei. Dort wird mit harten Bandagen an vorderster, digitaler high tech Front gekämpft. Was für die geplagte Pinslerin den  Vorteil hat, dass sich ihr  Leben dadurch gründlich geändert hat. Sie hat dank virtualvalley das Fliegen beim Malen und Zeichnen entdeckt, das Licht und die Leichtigkeit. Das Leben ist schön.