Was

Der  Konflikt zwischen Natur und Kultur steht im Zentrum meiner Arbeit. Hatte Freud noch vom “Unbehagen in der Kultur” geschrieben, weil wir  als Kulturmenschen   unter Erziehung und  Triebverzicht leiden, so leidet der Kulturmensch der Jetztzeit  zusätzlich an der wachsenden Künstlichkeit der ihn umgebenden, von ihm selber  geschaffenen Welt. Das Unbehagen in der Kultur hat sich dank technischen Fortschritts und menschlicher Regression sozusagen verdoppelt.2010-2016 zeichne ich dieses doppelte Unbehagen mittels Tuschefeder, Pinsel und Stift. Konstruktionszeichnungen und  Patente aus dem Industriezeitalter, dem Anfang des impacts von Technologie auf das Lebendige, dienen mir dabei  als Inspiration. Maschinelles Als-ob-Leben konfrontiere ich mit echtem Leben aus  Botanik, Zoologie und menschlicher Anatomie.

 

 

Zur Erholung gehe ich Vögel in meiner Nähe im Naturschutzgebiet in der Reussebene beobachten. Meine Lieblinge, die Reiher werden zwar als Fischdiebe gescholten und bejagt,  sind aber geniale  Durchhalte- und Ueberlebenskünstler, seit  50 Mio Jahren schon. Mit nur zwei Kilogramm Gewicht und zwei Metern Spannweite besitzen sie ausreichend Abstand zur Künstlichkeit dieser Welt und das kostbare Gut  Freiheit.

Nach Jahren strikter Beschränkung auf Schwarz-Weiss und meine Tuschefeder, riskiere ich 2017 mit ersten Aquarellen  das Abenteuer Farbe. Zunehmend wage ich mich auch an digital gestaltete Bilder, entwickle am Computer eine eigene -aquarellähnliche- digitale Technik, die ich “Aquapaling” nenne. Auch mit Versuchen in asiatischem Holzschnitt im Anschluss an eine Japanreise gestalte ich meine neueste Obsession: Vom Menschen fleissig geschaffene, nicht endende Waldbrände; smogverseuchte Megacities; grössenwahnsinnige Türme zu Babel; Orkane, die alles vom Menschen Geschaffene mit Eisenfaust wieder zertrümmern.  Das wäre dann sowas wie die moderne Art von Naturschönheit.

 

 

 

Nach Jahren des Anprangerns in meinen Zeichnungen und Bildern ereilt mich – Farben hin oder her- zunehmend ein gewaltiger Ueberdruss bei der Gestaltung wie auch immer gearteter Katastrophen, seien es nun welche in der Innenwelt oder in der Aussenwelt.Ich gehe jetzt auf grosse Reise, hin zu den Urlandschaften, die alles Menschliche so erfrischend downsizen. Sei dies die bis 50 Grad heiss werdende Wüste im Süden des Iran, sei dies der “Wild Atlantic Way” über den 100 Meter hohen, wild zerklüfteten Klippen von Kilkee in Westirland, an die der Atlantik seit endlos langer Zeit schon donnert, wie wenn es nie etwas Menschliches überhaupt jemals gegeben hätte. Dort endlich herrscht Ruhe. Ich hoffe, sie in meine Bilder einbringen zu können